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Reha-Management als Coaching

Angesprochen, ob ich zu diesem Thema einen Vortrag halten könnte, war ich zunächst überrascht. Schnell jedoch wurde mir klar, warum der Begriff des Coachings im Reha-Management sehr bedeutsam sein könnte.    

Ziele

Was ist eigentlich Reha-Management? 

Definition: Reha-Management ist die Planung, Steuerung und Überprüfung von Rehabilitations-Verläufen auf der Grundlage einer gemeinsamen Zielvereinbarung (Rehabilitationsplan) zwischen den Reha-Beteiligten.  

Das Thema ist in aller Munde, ob aber alle die darüber reden, auch das Gleiche meinen, darf bezweifelt werden. Manch einer vermutet hier wohl alten Wein in neuen Schläuchen. Ein neuer Modebegriff für Vorgehensweisen, wie sie im Bereich der Berufshilfe seit jeher praktiziert wurden.  

Der Reha-Manager soll vertrauter Ansprechpartner für den Verletzten in allen beruflichen, medizinischen und versicherungsrechtlichen Fragen sein. Intensive und regelmäßige Gespräche mit allen Beteiligten an der Rehabilitation gehören dazu. Ziel des Reha-Managements: Beschleunigung des Verfahrens durch Bürokratieabbau bei qualitativer Verbesserung der Ergebnisse und Kostenersparnis. Durch Förderung der Motivation der Rehabilitanden, Nutzung ihrer Ressourcen, Ausbau der individuellen Fähigkeiten und den Aufbau einer Vertrauensbeziehung soll eine aktive Beteiligung der Rehabilitanden am Prozess der beruflichen, sozialen und medizinischen Rehabilitation erreicht werden.  

Die gedankliche Ausrichtung des Versicherten auf die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit wird hierdurch gefördert. Die Entwicklung einer Versorgungsmentalität, einer Hospitalisierung der Versicherten oder einer "Rentenneurose" soll damit verhindert werden. Die Rehabilitanden nehmen eine aktive Rolle im Prozess ihrer eigenen Rehabilitation ein und werden nicht zum bloßen Objekt der Medizin und der Verwaltung.  

Was ist ein guter Coach? Ein guter Coach ist ein Berater, der seine Aufgabe darin sieht, sich selbst so schnell wie möglich überflüssig zu machen. Das Wort Coach kommt aus dem englischen (und hat übrigens nichts mit der Couch als Liegemöbel und sprichwörtliches Attribut psychoanalytischer Therapie zu tun).  

Erfolg eines Coaches zeigen sich darin, dass er seine Klienten auf dem Wege zu deren selbstbestimmt gesetzten Ziele begleitet, sie würden Zielerreichung gefördert, ohne sie von sich abhängig zumachen. Am Ende des Coaching-Prozesses sollen die gesetzten Ziele erreicht und die Problemlösungskompetenz des Klienten gestärkt sein.  

Ziele vereinbaren, bei deren Erreichung unterstützen und mitwirken, Selbstverantwortung stärken, die Ressourcen der Rehabilitanden nutzen, Konflikte moderieren, Krisen bewältigen: das kann man gut und gerne als Aufgabensprektrum eines Coaches gelten lassen.    

Methoden

Reha-Management betreibt aktiv die Steuerung der medizinische Versorgung sowie die berufliche und soziale Wiedereingliederung von Versicherten. Das Neue hierbei: die Kommunikation zwischen UV-Träger, Unternehmer, Versicherten und Ärzten wird vom Reha-Manager aktiv gesteuert und im Sinne der Entbürokratisierung auch weniger formal betrieben. Durch die gemeinsame Erstellung eines Rehabilitationsplans, wird eine zielgerichtete und effektive Steuerung der beruflichen und medizinischen Rehabilitation der Versicherten gewährleistet. Durch die Verringerung der Zahl vorhandener Schnittstellen und die Verkürzung der Kommunikationswege sollen Kosten reduziert und Kommunikationswege kurz gehalten werden.  

Reha-Management hat also eine verwaltungstechnische und eine persönliche Seite. Reha-Management bedeutet verwaltungsinterne Schnittstellen abzubauen, Aufbau- und Ablauforganisation zu überdenken, um finanzielle und personelle Ressourcen zielgerichtet einzusetzen. Reha-Management bedeutet aber auch ein anderes Rollenverständnis des BG-Mitarbeiters. Weg vom Schreibtischtäter, der Aktenvorgänge bearbeitet, hin zum Motivator, Beziehungs- und Krisenmanager. Das erfordert andere Kompetenzen und andere Vorgehensweisen. Nicht nur das was getan wird ändert sich, sondern auch die Art wie es getan wird. Es geht zunehmend darum, mit Menschen (und zwar allen am Reha-Verfahren beteiligten, wie z.B. Verletzten/Erkrankten, deren Angehörigen, Arbeitgebern, andere Versicherungsträgern, Ärzten etc.) zielgerichtet zu arbeiten. Dies schließt die Anwendung von Managementtechniken, wie z.B. Zielvereinbarungen, ein.    

Kompetenzen

Genaue Kenntnisse des Sozialrechts sowie medizinische Grundkenntnisse und Wissen über chronische Erkrankungen gehören sicher zu den notwendigen Voraussetzungen erfolgreicher Reha-Manager/innen. Das gilt aber auch für die gute alte Sachbearbeitung. Da Reha-Management in Abgrenzung zu hergebrachter Sachbearbeitung gerade auch Beziehungsmanagement ist, sind diese fachlich-inhaltlichen Aspekte notwendig, aber nicht hinreichend. Reha-Manager/innen müssen auf Grund der besonderen Anforderungen ihrer Aufgabe über weitere Kompetenzen verfügen: guter mündlicher Ausdruck und rhetorische Kenntnisse, Lebenserfahrung, Flexibilität, schnelle Auflassungsgabe, Entscheidungsfreude, positives Denken, pragmatisches Vorgehen, Kreativität, Lösungsorientierung und Einfühlungsvermögen sind mit Sicherheit ebenso wichtig, wie eine hinreichende emotionale Stabilität und die Möglichkeit zum Abbau von seelischen Belastungen, die durch die professionelle Arbeit mit schwerkranken und behinderten Menschen entstehen können.  

Ähnlich wie ein Coach, wird auch ein Reha-Manager bei seiner Arbeit nicht nur die Rehabilitanden, sondern auch sich im Blick behalten müssen. Eine regelmäßige Supervision wäre hier ebenso wünschenswert, wie sie für Coaches aber auch andere Berufsgruppen, die soziale oder pflegerische Aufgaben wahrnehmen, üblich ist. Die regelmäßige Reflexion eigenen professionellen Handelns ist für all diese Berufsgruppen ein Qualitätsmerkmal.  

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Reha-Manager mehrere professionelle Rollen einnimmt, das aber dem Rehabilitanden gegenüber gerade die Aspekte seiner Tätigkeit, die den Unterschied zur Sachbearbeitung ausmachen, mit der Tätigkeit eines Coaches gut zu beschreiben sind. Typische Vorgehensweisen aus dem Bereich des Coaching, wie z.B. die gemeinsame Vereinbarung von Zielen und die angestrebte aktive Rolle des Coachees/Rehabilitanden sind gleich. Aber es gibt auch Unterschiede: Während ein Coachee oft aus eigener Initiative in Kontakt zu einem Coach tritt, den er sich dann auch selbst aussucht, jedenfalls aber – auch wenn ein Coaching auf Anregung des Arbeitgebers zustande kommt – freiwillig daran teilnimmt, kann man das von einem Rehabilitanden nicht sagen. Wer aufgrund einer schweren Erkrankung oder eines Unfalls in ein Reha-Verfahren kommt, dem wird man wohl kaum eine willentliche Entscheidung dazu unterstellen können.    

Fazit

Wie sich aus dem Gesagten ergibt, liegen die Parallelen auf der Hand. Coaching ist eine Methode, die losgelöst von konkreten Inhalten und Zielen ein effektives Vorgehen bei der Begleitung von Menschen, die Ziele erreichen wollen, beschreibt. So gesehen kann man das Reha-Management – zumindest im Hinblick auf die Beziehung zum Rehabilitanden - als einen Sonderfall des Coachings begreifen, der um Facetten erweitert ist, die im "klassischen" Coaching nicht enthalten sind (Rechtsberatung, Steuerung des Heilverfahrens etc.). Dies bedeutet aber auch, dass modernes Reha-Management von den im Coaching entwickelten Methoden profitieren kann.   Die Ähnlichkeiten im Vorgehen sind:  

  • der Abschluss eines psychologischen Vertrages in Form einer Zielvereinbarung
  • die zeitliche Begrenzung der Begleitung
  • das gemeinsamen Ziel, die begleitenden Personen zu aktivieren und ihre Problemlösungskompetenz zu stärken
  • die Ressourcen der begleitenden Person zu nutzen und auszubauen

Diese Ähnlichkeiten beziehen sich auf das Verhältnis zum Versicherten. Rehabilitationsmanager stehen jedoch in einem Beziehungsgeflecht, zu dem auch Unternehmer/Betriebe, Ärzte/Kliniken, Angehörige und anderen Sozialversicherungsträger gehören. In diesem Beziehungsgeflecht, wirken gegensätzliche Interessen und es kam zu Spannungen und Zielkonflikten kommen. In diesen Situationen sind Rehabilitations-Manager als Krisenmanager gefragt. Konfliktfähigkeit, soziale Kompetenz, Durchsetzungsfähigkeit und rhetorischen Geschick werden hier von Bedeutung sein. Dies sind sicher Kompetenzen, die auch ein Coach gebrauchen kann, mit Coaching hat dies allerdings nicht mehr zu tun.